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Zwanzigstes Jahrhundert
20.Jahrhundert, die Jugend sitzt zwischen den Stühlen Sehnsucht und Realismus klarsichtig und kalt doch träumend manchmal. Gesang kalkweißer Musik und stumme Gebete zu keinem Gott, doch immerhin ein bitteres dennoch auf den Lippen des Herzens.
20.Jahrhundert Begehren, Sinnlichkeit, Verlangen, aus Bindungen an Eine wächst Ruhe den Rastlosen, Vergessen ist nicht verlangt doch kontinuierlich Neuorientierung. Keine dauerhaften Geschäfte – Gefühle sind solche – werden geduldet. Windwechselhaft, doch sinnlich erfüllend spielen sie auf Glücks und Lustschalmeien Totentänze den Romantikern.
20.Jahrhundert Kleine Kinder kauen am geliebt werden der reizenden Mütter deren Geilheitsgeruch jugendliche Liebhaber ekstatisch verzückt ihre Schenkel klatschend auf sie stürzen lässt. Orgien der allgemeinen Lust, in Masse getan wird das Nichts von der Liebe vertuscht, alte Maske, Tod und Leere bricht manchmal nur im gebrochenen Auge brunsterfüllter Weiber zusammen und manchmal, nach erschöpfenden Orgasmen sieht der gekühlt gelabte Jüngling die eiskalte, grinsende Wand das Nichts!
20. Jahrhundert mit Mühe besiegen wir in Schnelligkeit, Krankheit, Armut, Hunger und die Welt beginnt unter neuem Leben aufzublühen. Wie eitrige Gesichtsektzeme breiten sich die Menschen flächig, ausbeutend über die alte kugelrundgütige Erde. Im Schoß zerplatzen die Bomben und draußen streben pfeilschnell und heulend Raketen weg von ihr. Glückliches Sein des Weltraumes der diese Kleinheit nicht spürt. Erschütternd sind uns die Bilder und Ahnungen der Planeten, Systeme von Welten vermuten wir draußen, doch in unserer Brust entstehen sie nicht. Nur wir, die Eigenheit spiegelt sich auf der vom Brauchtum glatt polierten Oberfläche sorgsam verschlossener Seelenschränke.
20.Jahrhundert In die Tiefe loten die Forscher Meere zu Grunde und Zeiten bis zum Beginnen erfassend oder erfassen wollend streben sie aus sich hinunter. Und Worte werden zerpflückt, gebannt, geglättet unter der Lupe mit Sorge, braungerunzelte Stirn zergrübelt vergangene Gedanken sind gültiger weil der denkende Mensch die Widersprüche durch seinen Tod zu lösen gewöhnt ist. Unter der Panzerplatte der Seele verbirgt sich die Leere hochmütigen stark sein wollens. Der Mensch erleidet liebend den Masochismus des eigenen Ichs und vernünftig verneint er den Gott.
20.Jahrhundert Grabmal meiner Kultur Zeit ohne Zukunft Krone der Vergangenheit Und vielleicht Leise Geburt des Neuen. Bombengebürtiges Neues, sprießend aus Asche und Abfall im Abstieg die Samen eines neuen, fremden und glückhaft jungen Wissens. Das Ahnen der Götter erstirbt nach vielen Jahren kritischen Seins, doch beginnend kann vieles erleuchtet sein. In Euch sind Götter und Gott über Euch.
Curd Michael Hockel 19.6.1964 (Entwürfe III)
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